Ghost Recon Breakpoint ist mittlerweile rund fünfeinhalb Jahre alt, und die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den nächsten Teil der Reihe. Offiziell bestätigt hat Ubisoft bislang absolut nichts zu Ghost Recon Project Over, dem mutmaßlichen Nachfolger von Breakpoint. Was es trotzdem zu wissen gibt, welche Leaks und Insider-Informationen existieren, und was andere Ubisoft-Entwicklungen für Project Over bedeuten könnten, fasse ich hier vollständig für dich zusammen.
Die Ghost Recon Zeitlinie: Wo stehen wir gerade?
Ghost Recon Wildlands erschien am 6. März 2017. Nur zweieinhalb Jahre später, am 4. Oktober 2019, folgte Ghost Recon Breakpoint. Zwischen Ghost Recon Future Soldier und Wildlands lagen damals rund fünf Jahre Entwicklungszeit, also doppelt so lang wie zwischen Wildlands und Breakpoint. Breakpoint floppte bekanntlich zum Launch, wobei das Spiel ursprünglich als Games-as-a-Service-Titel geplant war. Nach etwa zwei bis drei Jahren wurde die aktive Weiterentwicklung eingestellt. Die fünf Jahre, die zwischen dem Release von Breakpoint und heute vergangen sind, hat die Ghost Recon Community mittlerweile überschritten. Wir befinden uns bereits im sechsten Jahr nach Breakpoint, ohne ein einziges offizielles Lebenszeichen zu Project Over gesehen zu haben.

Das kann zweierlei bedeuten. Entweder gibt sich Ubisoft diesmal wirklich außerordentlich viel Mühe und will mit Project Over einen echten Kracher abliefern. Oder aber Ubisoft hat Entwicklungsressourcen von Project Over abgezogen, was das Projekt in die Länge zieht. Letzteres lässt sich zwar nicht beweisen, ist aber angesichts der allgemeinen Lage bei Ubisoft keine abwegige Theorie.
Was sagen die Insider?
Insider-Informationen zu Project Over sind dünn gesät, gemessen daran, wie lange das Spiel schon in Entwicklung sein soll. Der bekannte Gaming-Insider Tom Henderson hat öffentlich gesagt, dass er sehr Gutes über das Spiel gehört habe. Ob er das Spiel dabei wirklich selbst gesehen hat, ob er mit Entwicklern gesprochen hat, oder ob es sich lediglich um Hörensagen von halbwegs beteiligten Personen handelt, ist unklar. Persönlich würde ich dieser Information daher nicht zu viel Gewicht beimessen.
Deutlich konkreter ist ein Leak, der im vergangenen Jahr von einer unbekannten Person veröffentlicht wurde. Diesem Leak zufolge soll Ghost Recon Project Over zwischen 2025 und 2026 erscheinen. Das Spiel soll eine deutlich realistischere, fast milsim-artige Ausrichtung bekommen. Außerdem soll Project Over auf die First-Person-Perspektive setzen. Optisch soll sich das Spiel an Titeln wie Ready or Not oder Squad orientieren. Was die Story-Präsentation betrifft, soll Project Over von der Modern Warfare Reihe inspiriert sein.

Die Story selbst soll laut diesem Leak in einem feindseligen, südostasiatischen Land spielen, in dem ein fiktiver Krieg tobt. In diesem Konflikt sollen bereits hunderttausende Menschen durch Kriegsverbrechen ums Leben gekommen sein. Als Ghosts infiltriert man das Land, führt geheime Missionen durch und soll unter anderem einen Verräter aufspüren. Ähnlich wie in der Modern Warfare Reihe soll es auch kontroverse Missionen geben, etwa eine, in der die Ghosts beinahe einen Mann erschießen, der ein Baby im Arm hält, weil das Team befürchtet, das Baby könnte eine Bombe sein. Das klingt nach einer deutlich ernsteren und moralisch vielschichtigeren Story als alles, was die Reihe bisher geliefert hat.
First Person, Third Person oder beides?
Das Thema Perspektive ist bei Ghost Recon traditionell heiß diskutiert. Die frühen PC-Teile der Reihe waren First Person. Future Soldier wechselte zur Third-Person-Ansicht, was für viele Veteranen damals ein Bruch mit der Serienidentität war. Wildlands und Breakpoint haben dann in der Third-Person-Perspektive eine riesige neue Fangemeinde aufgebaut, die mit dem ursprünglichen Ghost Recon von 2001 kaum Berührungspunkte hat.
Wenn Project Over also tatsächlich zur First Person zurückkehrt, stellt sich die Frage, wie Ubisoft die Casual-Spieler abholt, die über Wildlands und Breakpoint zur Reihe gekommen sind. Meine persönliche Hoffnung ist, dass Project Over den Spielern die Wahl lässt, ob sie First Person oder Third Person spielen wollen. Breakpoint und Wildlands sind für ihre detaillierten Animationen bekannt, und diese Detailverliebtheit hätte man nicht betrieben, wenn die Spiele von Anfang an als reine First-Person-Titel gedacht gewesen wären. Eine gut eingebaute optionale Third-Person-Option würde beiden Lagern gerecht werden und gleichzeitig einen hochwertigen First-Person-Modus mit einem ordentlichen Player Model liefern.

Open World oder große Level? Die Weltstruktur von Project Over
Ein weiterer zentraler Punkt aus dem Leak betrifft die Weltstruktur. Statt einer klassischen Open World, wie sie Wildlands und Breakpoint hatten, soll Project Over auf größere, aber abgeschlossene Level setzen. Das ist im Grunde eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn das erste Ghost Recon aus dem Jahr 2001 hatte ebenfalls große Levels ohne Open World. Future Soldier hingegen war bereits deutlich schlauchartiger aufgebaut.
Wenn Ubisoft diesen Weg geht, müssen die einzelnen Level meiner Meinung nach wirklich groß und offen genug sein, um den Spielern die gewohnte Freiheit zu lassen. Als Vergleich kommen hier Titel wie die Sniper Ghost Warrior Reihe oder Sniper Elite in den Sinn, die ebenfalls mit großen, aber abgeschlossenen Missionsgebieten arbeiten. Ohne diese Freiheit innerhalb der Level dürfte es schwer werden, die Fangemeinde von Wildlands und Breakpoint bei der Stange zu halten.
Im Februar 2025 gab es laut den vorliegenden Informationen neue Aussagen zur Weltstruktur, die diese Richtung weiter untermauern. Offizielle Details hat Ubisoft dazu aber nach wie vor nicht kommuniziert.
Ubisofts Strategie und was sie für Project Over bedeuten könnten
Ubisoft CEO Yves Guillemot äußerte sich auf einer Investorenkonferenz im Februar dahingehend, dass sich Ubisoft künftig weiterhin auf Open-World-Action-Adventures und Games as a Service konzentrieren will. Das klingt zunächst wie ein direkter Widerspruch zu dem, was der Leak über die Levelstruktur von Project Over behauptet. Es könnte bedeuten, dass Project Over doch wieder eine Open World bekommt, oder dass das Games-as-a-Service-Modell zurückkehrt, obwohl Breakpoint damit bekanntlich gescheitert ist.
Die Community reagierte auf diese Aussage wenig begeistert, weil der Eindruck entstand, Ubisoft lerne nicht aus eigenen Fehlern. Ob der Aufschrei groß genug war, um ein Umdenken zu bewirken, bleibt abzuwarten. Ein kompletter Entwicklungsneustart von Project Over ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber da auf der Investorenkonferenz davon keine Rede war und Investoren über solche Schritte eigentlich informiert werden müssen, halte ich das für eher unwahrscheinlich.

Ein weiterer Faktor, der Ubisofts gesamte Zukunft beeinflusst, ist laut Brancheninsider Jason Schreier der Erfolg von Assassin’s Creed Shadows. Sollte Shadows floppen, steht laut Schreier in den Sternen, ob bei Ubisoft überhaupt noch größere Projekte realisiert werden. Das macht den Erfolg von Shadows indirekt auch zu einer Frage, die Ghost-Recon-Fans brennend interessieren sollte.
Kein Marketing bis Mitte 2025? Dann wohl erst 2026
Was die Frage nach dem Release-Termin betrifft, lässt sich eine ziemlich klare Faustregel aufstellen. Wenn es bis Mitte 2025 kein Marketing in irgendeiner Form für Ghost Recon Project Over gibt, also keine Ankündigung, keinen Trailer, keinen offiziellen Hinweis, dann ist ein Release im Jahr 2025 so gut wie ausgeschlossen. Der Leak hatte 2025 bis 2026 als Erscheinungsfenster genannt. Bleibt Ubisoft weiter stumm, rückt der Release realistischerweise in das Jahr 2026.
Dass Ubisoft generell sehr fest die Hand auf dem Deckel hält, muss dabei nicht zwingend ein schlechtes Zeichen sein. Auch zu Far Cry 7 hört man derzeit kaum etwas, obwohl das Spiel definitiv noch in Entwicklung ist, auch wenn der dazugehörige Extraction-Shooter offenbar neu gestartet wurde. Totale Funkstille kann also schlicht bedeuten, dass Ubisoft nichts nach außen dringen lassen will, bevor der Zeitpunkt für eine große Ankündigung gekommen ist.
Fazit: Was wir wissen und was bleibt
Ghost Recon Project Over ist nach allem, was sich aus Leaks und Insider-Quellen zusammensetzen lässt, ein Projekt mit spannenden Ambitionen: realistischeres Gameplay nahe am Milsim-Genre, First-Person-Perspektive, eine ernste und kontroverse Story im Stile der Modern Warfare Reihe, und möglicherweise eine Abkehr von der Open World zugunsten großer, abgeschlossener Level. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit groß, denn offiziell hat Ubisoft zu Project Over bislang kein einziges Wort verloren. Ob das ein gutes Zeichen ist, weil ein wirklich ausgereifter Titel entsteht, oder ob es auf Entwicklungsprobleme hindeutet, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Bleibt Ubisoft bis Mitte 2025 still, ist ein Release vor 2026 so gut wie ausgeschlossen.
