Ghost Recon Wildlands oder Ghost Recon Breakpoint? Diese Frage beschäftigt viele Fans der Taktik-Shooter-Reihe von Ubisoft. Beide Spiele haben ihre Stärken und Schwächen, und ein direkter Vergleich ist gar nicht so einfach, weil sie sich in vielerlei Hinsicht grundlegend unterscheiden. Ich habe beide Titel ausgiebig gespielt und möchte dir hier einen ausführlichen Überblick geben, damit du selbst entscheiden kannst, welches der beiden Ghost Recon-Spiele besser zu dir passt.
Atmosphäre: Lebendige Welt vs. leere Insel
Einer der auffälligsten Unterschiede zwischen Wildlands und Breakpoint ist die Atmosphäre der jeweiligen Spielwelt. In Wildlands findet, vereinfacht gesagt, das normale Leben statt. Es herrscht kein Kriegsrecht, und das spürt man deutlich. Die Ortschaften wirken größer, die Straßen sind belebter, und man hat das Gefühl, sich wirklich in einer echten, lebendigen Welt zu bewegen. Menschen gehen ihren Alltagsgeschäften nach, Autos fahren durch die Straßen, und die Umgebung fühlt sich organisch an.

In Breakpoint hingegen wurde das Kriegsrecht verhängt, was sich massiv auf die Atmosphäre auswirkt. Die Spielwelt fühlt sich im Allgemeinen ziemlich leer und leblos an. Ein besonders nerviges Detail: Die neutralen NPCs maulen dich permanent an, selbst wenn du nur zwei Meter an ihnen vorbeiläufst. Noch kurioser ist das Verhalten bei Rettungsmissionen. Der gerettete NPC bedankt sich zwar zunächst, fängt aber sobald er am Zielort angekommen ist, wieder an zu meckern. Man fühlt sich bei Breakpoint eigentlich durchgehend unerwünscht.
Auch die Fraktionsdynamik trägt zum atmosphärischen Unterschied bei. In Wildlands gibt es zwei Gegnerfraktionen, das Santa Blanca Kartell und die Unidad, die sich sogar gegenseitig bekämpfen können. Das sorgt immer wieder für unerwartete und unterhaltsame Situationen. Dazu kommen die Rebellen als spielerfreundliche Fraktion. In Breakpoint stehen die Sentinels und die Wolves auf derselben Seite, was bedeutet, dass in der offenen Spielwelt die meiste Zeit schlicht nichts passiert. Die Sentinels wirken oft fehl am Platz, zum Beispiel wenn sie planlos im Wald herumstehen. Als spielerfreundliche Fraktion gibt es die Outcasts, sowie die Selbstversorger, die aber nicht kämpfen und lediglich gelegentlich in der Klemme stecken.
Die Spielwelt: Bolivien vs. fiktive Insel Auroa
Wildlands bietet eine dem echten Bolivien nachempfundene Spielwelt mit einer beeindruckenden Vielfalt an Landschaften: Salzebenen, Wüste, Wald, Schneegebiete, Berge und klassische Ebenen. Diese Welt wirkt in sich schlüssig und hat sogar einige Geheimnisse zu bieten, die es sich lohnt zu entdecken.
Breakpoint spielt auf der fiktiven Insel Auroa und bietet ebenfalls Ebenen, Wald, Berge, Schneegebiete und Sümpfe. Allerdings ist die Welt auf Auroa sehr hügelig, was auf Dauer ziemlich nervig werden kann, da man als Spieler ständig an Hügeln abrutscht, während die gegnerische KI von dieser Mechanik offensichtlich nicht betroffen ist. Coole Orte zum Entdecken gibt es zwar auch auf Auroa, aber abseits der Optik bieten diese im Immersive Mode kaum Mehrwert. Sie scheinen hauptsächlich dafür platziert worden zu sein, um Loot unterzubringen, der wiederum nur im RPG-Modus wirklich nützlich ist.

Was die Panoramen betrifft, malen beide Spiele wunderschöne Aussichten. Mir persönlich gefallen die Panoramen in Breakpoint sogar etwas besser, was aber zum großen Teil an der deutlich moderneren Grafik liegt.
Grafik und Animationen
Beim Thema Grafik muss man fairerweise erwähnen, dass Wildlands bereits einige Jahre auf dem Buckel hat und seinen Content-Lebenszyklus abgeschlossen hat, während Breakpoint noch aktiv weiterentwickelt wird. Wenig überraschend ist die Grafik in Breakpoint stellenweise deutlich besser als die in Wildlands. Das gilt grundsätzlich auch für die Animationen, wobei es hier eine kleine, aber aus meiner Sicht wichtige Ausnahme gibt: In Wildlands kann man seine Waffe wegstecken, in Breakpoint fehlt diese Möglichkeit vollständig. Das ist ein Detail, das den Spielfluss und die Immersion spürbar beeinflusst.
Sound: Geschmackssache
Beim Sound gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen beiden Spielen. Ich persönlich finde den Sound in Breakpoint besser, aber das ist wirklich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Waffen klingen unterschiedlich, die Umgebungsgeräusche sind verschieden gestaltet, und hier muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm besser gefällt. Es lohnt sich, beide Spiele in dieser Hinsicht direkt zu vergleichen.
Anpassungsmöglichkeiten und Customization
Bei Ghost Recon Wildlands sind die meisten Kleidungsstücke und Tarnungen von Anfang an verfügbar, was einen direkten Einstieg in die Charaktergestaltung ermöglicht. Bei Breakpoint hingegen stehen zu Beginn nur eine Handvoll Kleidungsstücke und Tarnungen zur Verfügung. Den Rest muss man entweder bei Maria in Erewhon mit der Ingame-Währung Skell Credits kaufen, in der Spielwelt finden oder im Shop gegen die Echtgeldwährung Ghost Coins erwerben. Das hat vor allem beim Launch von Breakpoint großen Unmut in der Community ausgelöst und ist bis heute ein Streitpunkt. Immerhin gibt es mittlerweile auch einige kostenlose Kleidungsstücke in Marias Shop.

Rein optisch sind die Kleidungsstücke in Breakpoint denen in Wildlands klar überlegen. Was aber komplett fertige Charakter-Skins, also Kostüme und Kultcharaktere betrifft, hat Wildlands umfangmäßig die Nase deutlich vorn. Waffentarnungen können übrigens in beiden Spielen separat auf jedes einzelne Waffenteil angewendet werden, was in beiden Fällen für individuelle Anpassungen sorgt.
Die KI-Kameraden
Die KI-Kameraden sind ein weiterer Punkt, bei dem sich beide Spiele stark unterscheiden. In Wildlands sind Midas, Holt und Weaver echte Charaktere mit eigenem Charme. Sie sind lebendiger, gesprächiger und sympathischer, kommen in Zwischensequenzen vor und sind fest in die Story eingebunden. In Breakpoint übernehmen Fury, Fixit und Fasuli diese Rolle, wirken aber bislang hauptsächlich wie drei zusätzliche Synchronschuss-Drohnen ohne nennenswerte Persönlichkeit. Da die Story von Breakpoint von Anfang an auf einen Einzelkämpfer ausgelegt war, spielen die KI-Kameraden dort auch keine Rolle in der Handlung und tauchen in Zwischensequenzen nicht auf.
Einen interessanten Vorteil hat Breakpoint bei den KI-Kameraden dennoch: Dort lässt sich neben Aussehen und Geschlecht auch die Primärwaffe inklusive aller Tarnungen und Ausrüstungen anpassen. Das ist ein wirklich cleveres Feature, weil sich das Kampfverhalten der KI-Kameraden theoretisch sogar abhängig von der gewählten Primärwaffe ändert. Die KI-Kameraden in Breakpoint wurden allerdings erst nachträglich eingebaut, sodass in Zukunft noch weitere Verbesserungen zu erwarten sind.
Spielumfang und Story
Beim Spielumfang ist ein direkter Vergleich schwierig, weil Wildlands seinen Content-Zyklus bereits abgeschlossen hat, während Breakpoint die Story im Episodenformat kontinuierlich erweitert. Zum aktuellen Stand hat Wildlands inklusive aller DLCs vermutlich mehr Gesamtumfang. Was reine Nebenbeschäftigungen angeht, ist Breakpoint aber bereits jetzt umfangreicher: Es gibt täglich wechselnde Fraktionsmissionen sowie richtige Nebenmissionen. In Wildlands beschränken sich die Nebentätigkeiten im Wesentlichen auf Rebellenaktionen, mit denen man die Rebellenunterstützungsfähigkeiten verbessern kann.

Beim PvP-Modus Ghost War gibt es ebenfalls Unterschiede. In Wildlands gibt es eine klassenbasierte Operator-Auswahl, während man in Breakpoint auch im PvP einfach mit seinem PvE-Charakter spielen kann. Zusätzlich bietet Breakpoint, anders als Wildlands, einen Raid.
Was die Story betrifft, ist das natürlich meine persönliche Einschätzung: Die Story von Wildlands wirkt auf mich immersiver, nachvollziehbarer und spannender. Bei Breakpoint erscheinen viele Storylelemente etwas aus der Luft gegriffen, und die Geschichte wirkt insgesamt etwas konstruiert. Im Großen und Ganzen hat mir die Story von Breakpoint aber trotzdem gut gefallen, sie kommt nur nicht ganz an die von Wildlands heran.
Fazit: Welches Ghost Recon ist das bessere Spiel?
Alles in allem ist Ghost Recon Wildlands aktuell das rundere und ausgereiftere Spiel. Die lebendige Spielwelt, die stimmungsvollere Atmosphäre, die charismatischeren KI-Kameraden und die von Anfang an zugänglichen Anpassungsmöglichkeiten machen Wildlands zu einem Erlebnis, das sich über die gesamte Spielzeit konsistent anfühlt. Ich selbst habe über 500 Stunden in Wildlands investiert, mehr als in irgendein anderes Spiel, obwohl mir das Spiel anfangs als alteingesessener Ghost Recon-Fan überhaupt nicht gefallen hatte. Erst nach einigen Updates und Erweiterungen habe ich ihm eine zweite Chance gegeben und es wurde zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele.
Ghost Recon Breakpoint ist dennoch keineswegs zu vernachlässigen. Es bietet die bessere Grafik, optisch hochwertigere Ausrüstung, interessantere Nebenbeschäftigungen und wird aktiv von Ubisoft weiterentwickelt. Wer beide Spiele kennenlernen möchte, macht mit keinem davon einen Fehler. Beide machen Spaß, und je nach persönlichem Geschmack kann Breakpoint durchaus die erste Wahl sein.
Wildlands überzeugt vor allem durch seine lebendige, in sich stimmige Spielwelt, sympathische KI-Kameraden und eine immersive Story, während Breakpoint mit besserer Grafik, vielfältigeren Nebenmissionen und einem kontinuierlich wachsenden Content-Angebot punktet. Die Anpassungsmöglichkeiten sind in beiden Spielen umfangreich, aber in Wildlands von Anfang an zugänglicher. Wer Wert auf Atmosphäre und Storytelling legt, greift eher zu Wildlands. Wer grafischen Anspruch und langfristige Inhalte sucht, bekommt mit Breakpoint ebenfalls ein unterhaltsames Paket.
